23. Juli 2020

Sind Aktienveranlagungen bereits wieder attraktiv?

Der Crash an den Börsen im März 2020 ließ Erinnerungen an die Finanzmarktkrise 2008 wach werden. Aktien renommierter Unternehmen verloren an einzelnen Tagen teils mehr als 20 Prozent an Wert. Der weltweite Lock Down der Wirtschaft versetzte Anleger rund um den Globus in pure Panik. Neben der täglichen Corona-Infektionsstatistik waren die Charts von sinkenden Aktienmärkte in der Medienlandschaft omnipräsent. Doch selbst für viele Finanzexperten überraschend setzten die Kapitalmärkte just am Höhepunkt der Coronapandemie Ende März zu einer fulminanten Kurserholung an. Amerikanische Technologieaktien, angetrieben von Werten wie Amazon, Google und Facebook, trieben ihren Leitindex Nasdaq 100 nach einem zwischenzeitlichen Kursminus von über 22 Prozent bis Mitte Mai sogar schon wieder knapp 8 Prozent gegenüber dem Jahresbeginn ins Plus.

Kurze Schockwelle auch für konservative Wertpapiere

Beim großen Aktiencrash im Zuge der Finanzmarktkrise 2008 waren die als sicherer Hafen geltenden Staatsanleihen stark gefragt und konnten namhafte Kursgewinne verbuchen. Atypischerweise kam es im März 2020 parallel zum Aktienmarkt sogar bei deutschen Staatsanleihen zu zwar deutlich geringeren, aber spürbaren, Kursrückgängen. Dass Rentenpapiere von Unternehmen mit schwacher Finanzausstattung (schlechtem Rating) in einem derartigen Umfeld an Wert verloren haben ist dagegen nicht unüblich. Offenbar hat viele Anleger das Ausmaß der Hilfsmaßnahmen der Notenbanken und Regierungen, welche am Ende des Tages durch Unsummen an neuen Kreditaufnahmen finanziert werden müssen, verschreckt. Bis Mitte Mai hat sich die Situation am Anleihemarkt und damit auch speziell für konservative Investmentfonds aber wieder deutlich entspannt.

Auf Gewinner oder Verlierer setzen?

Die Aktienmärkte wurden in dieser Krise individuell nach potenziellen Coronafolgeschäden, aber auch nach alten Börseweisheiten getroffen. Typisch bei einem Crash werden kleinere Märkte wie die Wiener Börse stärker als die großen Handelsplätze wie New York oder Frankfurt in Mitleidenschaft gezogen. Die wichtigsten österreichischen Aktien (zusammengefasst im Index ATX) haben 2020 in der Spitze 49,06 Prozent an Wert verloren und lagen per 19.05. immer noch mit fast 34 Prozent gegenüber dem Jahresbeginn im Minus. Die Aktienmärkte in Deutschland (DAX) und den USA (Dow Jones) dagegen hatten gegenüber Österreich einen deutlich geringen Maximalverlust und konnten diesen mit 16,41 Prozent bzw. 13,95 Prozent bereits wieder um mehr als die Hälfte reduzieren. Technologieunternehmen waren von der Pandemie nur eingeschränkt von Produktionsausfällen betroffen und konnten den Umsatz über Onlineverkäufe teils sogar namhaft steigern. Im Gegensatz zu den klassischen „industrielastigen“ Indices notiert der Technologieindex Nasdaq 100 Mitte Mai schon wieder namhaft im Plus.

Max. Kursrückgang
2020*
Kursverlauf
01.01. – 19.05.2020
DAX-37,69%-16,41%
ATX-49,06%-33,71%
Dow Jones-36,18%-13,95%
Nasdaq 100-22,47%7,74%
Gold (USD)-3,76%14,96%
Ölpreis (Brent / USD)-74,51%-48,22%

*gegenüber 31.12.2019

Bei der Auswahl der richtigen Aktie drängen sich in der aktuellen Situation drei Kategorien auf. Für jede gibt es pro und kontra. Und für keine eine Garantie, dass die Trendwende am Aktienmarkt nachhaltig ist und nicht noch neue Tiefststände folgen werden.

#1 Auf die Krisengewinner setzen

Hierzu zählen beispielweise Technologieunternehmen wie Amazon oder Pharmafirmen, die Fortschritte bei der Entwicklung eines Coronaimpfstoffs vermelden.

Pro: Steigende Gewinne können zum Ausbau der Marktposition verwendet werden. Bzw. hohe Gewinnchancen, falls tatsächlich der Impfstoff zugelassen wird.

Kontra: Teils sehr hohe Bewertungen (Aktienkurse) dieser Unternehmen. In diesen sind sehr hohe künftige Gewinnerwartungen eingepreist.

#2 Auf die Krisenverlierer setzen

Hierzu zählen u. a. Unternehmen aus der Luftfahrt und der Reisebranche wie Lufthansa oder TUI.

Pro: Die Aktienkurse sind extrem gefallen. Ein rasches Ende der Pandemie könnte adäquate Gewinne schneller als erwartet bringen.

Kontra: Diese Unternehmen nehmen nachhaltig Schaden an der Krise durch reduziertes Eigenkapital und teils hohe neue Verbindlichkeiten mit einem nicht unerheblichen Insolvenzrisiko. Ein niedriger Aktienkurs alleine rechtfertigt unter diesen Umständen noch kein Investment.

#3 Die Krisenzaungäste

Das sind Aktiengesellschaften, die weder zu den Gewinnern, aber auch nicht zu den großen Verlierern zählen. Wie etwa Versicherungsunternehmen. Hier gab es ähnlich hohe Kursverluste wie bei den großen Krisenverlierern, aber signifikant geringere Ertragseinbrüche.

Pro: Viele Versicherungen zählen zu verlässlichen Ausschüttern von namhaften Dividenden, weil die tendenziell guten Eigenkapitalausstattungen das meist auch in Krisenzeiten hergeben. Die Ergebnisrückgänge dürften heuer überschaubar bleiben, was speziell bei einer Normalisierung der Lage attraktive Unternehmensbewertungen (Aktienkurse) bedeutet.

Kontra: Die Chancen auf extrem hohe Kursgewinne wie in den Kategorien 1) und 2) sind hier wohl nicht gegeben.

 

Tipp – Breit streuen, Risiken minimieren

Bei aller Verlockung nach dem schnellen Profit am Aktienmarkt sollten die Risiken nicht außer Acht gelassen werden. Wenngleich für das kommende Jahr ein starkes Wirtschaftswachstum vorausgesagt wird, sind die mittelfristigen Auswirkungen der Pandemie nur sehr schwer abschätzbar. Die Zinsen am Sparbuch und bei sehr konservativen Investments wie sicheren Staatsanleihen dürften in absehbarer Zeit extrem niedrig bleiben. Dynamische Anlagen wie Aktien werden daher weiterhin für namhafte Renditen im Wertpapierbereich ziemlich alternativlos bleiben.

Um einen schlechten Einstiegszeitpunkt in den Markt zu vermeiden ist ein sukzessives, laufendes investieren grundsätzlich nicht nur in einer Krisensituation empfehlenswert. Darüberhinaus kann mit Investmentfonds eine sehr breite Risikostreuung auf viele Einzelinvestments vorgenommen werden. Und mit speziellen, sogenannten vermögensverwaltenden Fonds, kann auch der Einstieg in die gerade am günstigsten erscheinende Anlageklasse (Aktien, Anleihen oder Rohstoffe) einem Profi überlassen werden. Sehr gerne stehe ich Ihnen für ein persönliches Anlagegespräch zur Verfügung.

Datenquelle: onvista.de, Kursberechnungen per 19.05.2020; Seimo Newsletter für Gewinnerkonzepte

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